Trockenrausch und Alkoholismus

Ein Begriff der Anonymen Alkoholiker ist der sog. Trockenrausch.

Dieser kann dann eintreten, wenn der Alkoholiker bereits trocken ist, also mit dem Trinken aufgehört hat.
Das Verhalten, welches sich während des Trockenrausches zeigt, ist das selbe, wie wenn der Alkoholiker noch trinken würde.

Laut den Anonymen Alkoholikern ist Alkoholismus ein Symptom der ungelösten, seelischen Probleme, welche zur Alkoholkrankheit führen.

Bei dem trockenen Alkoholiker ist also das Symptom Alkoholismus nicht mehr vorhanden, die ursächlichen, seelischen Probleme bestehen aber, da ungelöst, weiterhin.Der trockene Alkoholiker trinkt zwar nicht mehr, hat sich innerlich und im sonstigen Verhalten nicht verändert.

Sobald diese ungelösten, seelischen Ursachen auftreten, spricht man vom Trockenrausch.

Laut den A.A. ist die Kernursache des Alkoholismus ein „amoklaufendes“ Ego. Also ein Ego, welches sich zum Herrscher aufgeschwungen hat, und den Lauf der Welt nach seinem Willen erzwingen will. Verlust, Kränkung, nicht bekommen was einem „zusteht“, etwas bekommen, was man nicht will o.ä., sind etwas, mit dem dieses kontrollsüchtige Ego nicht umgehen kann.

Typische Anzeichen für den Trockenrausch sind

  1. Selbstmitleid
  2. Groll/Wut auf Menschen, die einem etwas „angetan“ haben
  3.  Verbitterung gegenüber der Welt, die einen „schlecht behandelt hat“
  4. Selbsthaß wegen der eigenen Unzulänglichkeit
  5. geringes Selbstwertgefühl
  6. Angst davor, Änderungen im Leben zu bewerkstelligen und lieber verharren.
  7. Neid auf andere, die es „besser haben“.

Dieses Ego ist größenwahnsinnig geworden und daher pathologisch.

Das Ego, welches z.B. Kränkungen nicht akzeptieren kann, versucht dies, auf irrsinnige Weise durch Groll, Anklagen und Beschwerden (wenn auch nur innerlich) ungeschehen zu machen. Natürlich ist dies zum Scheitern verurteilt, denn man kann Geschehenes nicht ungeschehen machen.
Dieses außer Kontrolle geratene Ego ist aber blind, und kann dies nicht verstehen. Der Groll wird in der kranken (unbewußten) Annahme aufrechterhalten, doch endlich sein Ziel zu erreichen, und Vergangenes ungeschehen zu machen.

Groll fühlt sich schlecht an, und um diese Gefühle zu betäuben, wird getrunken.

An mir beobachte ich, trotz Abstinenz, daß ich noch viel Groll gegenüber anderen Menschen hege, welche mir in der Vergangenheit (vermeintlich) Unrecht getan haben. Das äußert sich im Abspielen einer 20-Jahre alten Schallplatte in meinem Kopf. Diese fängt gelegentlich an, von alleine zu spielen. Jeden Tag, immer wieder und wieder und wieder….
Dieser Groll ist bei mir eine der seelischen Ursachen für meinen Alkoholismus. Erst wenn diese und andere Ursachen nicht mehr bestehen, tritt der Trockenrausch nicht mehr auf.

Erst dann bin ich nicht nur abstinent, sondern auch nüchtern i.S. der Anonymen Alkoholiker.

Werden diese seelischen Ursachen nicht geheilt, ist dies ein gutes Rezept für einen Rückfall – auch nach z.B. dreißig Jahren Abstinenz.

#AnonymeAlkoholiker #Genesung

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