Kritik an den Anonymen Alkoholikern

Gelegentlich stoße ich auf Kritik an den Anonymen Alkoholikern, die mir etwas schräg vorkommt. Nicht das ich behaupten will, daß die Anonymen Alkoholiker frei von Kritik sind. Überall da wo Menschen zusammen sind, entstehen natürlich Reibungen. Das ist einfach Ausdruck des Menschseins, die perfekte Gemeinschaft gibt es selbst bei Gutmenschen nicht, auch wenn anfangs die Ideale enorm sein mögen. Wieviele Gemeinschaften, in denen sich Menschen für eine bessere Welt zusammen taten, sind an internen Problemen kläglich gescheitert. Ich erwarte also bei den Anonymen Alkoholikern keine perfekte Welt oder daß ich ständig von anderen gestreichelt werde.

Meine Erfahrung bei den Anonymen Alkoholikern ist durchweg positiv. Aber wir sind weder Weltverbesserer noch Hoffnungslose. Im Gegenteil, genesen zu sein heißt für mich auch geerdet zu sein, also realistisch zu sein und durch „negative“ Dinge hindurch zu gehen. So meistere ich das Leben.

Ein bekannter Schriftsteller, von Stuckrad-Barre, hat in seinem aktuellen Buch den Anonymen Alkoholikern ein paar Zeilen gewidmet. ob diese auf wirklicher Erfahrung oder eher künstlerischer Freiheit fußen, ist mir natürlich nicht bekannt. Schmeichelhaft sind die paar Zeilen nicht und schon gar nicht eine umfassende Reflexion.
Alle seiner Kritikpunkte widersprechen meiner Erfahrung und ich gehe seit ca. 1,5 Jahren dreimal die Woche zu den Anonymen Alkoholikern:

1. Die Behauptung, die Anwesenden würde immer wieder mit der Nase in die eigene Scheiße gestoßen, deckt sich nicht mit meiner Erfahrung. Im Gegenteil, es ist nicht im Geiste der A.A. im desolaten Psycho-Müll von gestern zu verharren und daher auf der Stelle zu treten. Wir leben im Heute aber schauen nach vorne. Daher sind wir auch kein hoffnungsloser Haufen gescheiterter Existenzen und es wird weitaus mehr gelacht als geweint.

2. Die Behauptung in zerfurchte Gesichter zu starren (o.ä.) kann ich auch nicht bestätigen. In der Gemeinschaft blühen die Menschen wieder auf und fassen Lebensmut. Viele erarbeiten sich ein Leben welches so gut ist, daß sie es sich niemals hätten träumen lassen. Damit ist nicht unbedingt materieller Wohlstand o.ä. gemeint, sondern vielmehr eine innere Transformation.

So wenig ich die Äußerungen von von Stuckrad-Barre teile, soviel Respekt habe ich vor der Tatsache, daß er seit 10 Jahren keinen Alkohol mehr trinkt. Da kann ich nicht mithalten. Und nicht jeder macht so gute Erfahrungen bei den Anonymen Alkoholikern wie ich.

2 Gedanken zu “Kritik an den Anonymen Alkoholikern

  1. Pingback: Kritik an den Anonymen Alkoholikern – Svens Bericht

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