Wie ich trocken wurde

Mein Name ist Sven und ich bin Alkoholiker. Nicht das ich mir das ausgesucht hätte, es ist irgendwie so gekommen. Trotzdem kann nur ich die Verantwortung übernehmen. Und das hier ist mein Bericht.

Ich habe ca. 20 Jahre lang gesoffen, wobei die Anzeichen für meine Sucht vermutlich schon weitaus früher da waren. Richtig ausser Kontrolle geriet mein Trinken, als ich mit meinem Studium nicht zurecht kam. Da war ich Anfang 20. Ich konnte mein Studium nicht meistern, so wie ich später auch andere Bereiche meines Lebens nicht meistern konnte. Bei meinem Studium bin ich wie verhext andauern durch Klausuren und Hausarbeiten durchgefallen. Das hat natürlich extrem an meinem Selbstwertgefühl genagt, insb. da ich keine Erklärung für mein dauerndes Versagen hatte.

Ich habe mich heute noch vor Augen, als einen Burschen mit Anfang 20, der abends von der Tanke mit ein paar Flaschen Bier zurück kommt. Und diese allein in seiner Wohnung trinkt. Wie wenig hatte ich damals geahnt, daß dies eine Abwärtsspirale von vielen Jahren sein würde!

Dann zog ich um in eine andere Stadt, in der Hoffnung, daß es dort besser für mich werden sollte. Mein Studium setzte ich fort, aber ich änderte mich selber nicht. Dies war das typische Verhalten, was Samuel Jonhnson als „geografische Kur“ bezeichnet hatte.

Mein Studium brach in dann ab und fing eine Ausbildung an. Diese beendete ich auch erfolgreich. Das Unternehmen in welchem ich arbeitete, war allerdings mieserabel geführt, und der Chef war „charakterlich unzulänglich“. Dazu kam auch, daß ich unterfordert war. Mit der Situation war ich sehr unzufrieden und ich litt unter den Umständen. Natürlich trank ich weiter, was allerdings nie so schlimm wurde – auch konnte ich das Trinken aufgrund meines Alters besser vertragen -, daß ich bei der Arbeit dadurch noch keine Probleme hatte. Ich fing sogar während meiner Ausbildung noch ein Abendstudium an, auch dieses absolvierte ich halbwegs erfolgreich.

Schließlich war meine Ausbildung zuende und ich hätte mir einen Job suchen müssen. Allerdings waren meine Bemühungen nicht von Erfolg gekrönt. Der Suff und die Depressionen waren jetzt schon ausgeprägter. Dazu kam das alkoholische Denken; ich nahm an, daß so ein genialer Mensch wie ich einen ganz besonders tollen Job verdient hatte! Der Egoismus und Narzissmuss des Alkoholikers zeigte sich also hier deutlich.

(demnächst mehr)