Arbeit mit Sponsor


Ich habe, da ich dieses Jahr trotz fünf trockenen Jahren immer öfter am Trockenrausch leide, den Entschluss gefasst, die 12 Schritte mal endlich einem Sponsor durchzuarbeiten.

Der Grund ist wie gesagt, daß ich immer öfter einen Trockenrausch erlebe. Obwohl ich seit fünf Jahren trocken bin und sich so viel in meinem Leben zum Guten gewandelt hat. Trotzdem ist mir bewußt, daß ich immernoch eine Last mit mit herumtrage. Die Beschreibung des Alkoholiker im Blauen Buch als ruhelos, reizbar und unzufrieden trifft oft auf mich zu. Meine Tagesform ist unterschiedlich… Und manchmal geht’s mir richtig schlecht.

Das hat dazu geführt, daß ich bei meinem Psychiater wieder nach einem Medikament fragte. Das Venlafaxin welches ich bereits vor zwei Jahren (oder so) aufgab, war wegen der krassen Müdigkeit keine Option. Ich bekam Elontril verschrieben. Aber auch das beseitigt meine Probleme nicht, was in der Rückschau aber nur logisch erscheint. Nur eine spirituelle Erfahrung, die zu einer Wesensänderung führt, kann die Lösung zu sein.

Ausserdem habe ich im Jahr 2019 eine gewisse Müdigkeit bzgl. der Meetings empfunden. Dies liegt, wie mir jetzt klar ist, daran, daß die Meetings keine Schritte-Meetings sind. Ich war oft vom Verlauf dieser Meetings frustriert. Ich will sie aber auf keinen Fall schlecht machen, waren es doch diese Meetings die mir zur Trockenheit verholfen haben und auch in Sachen wie Lernen über das Leben viel un die Alkoholsucht gebracht haben. Sie reichten mir nur nicht mehr aus. An den Online meetings hatte ich bis neulich kein Interesse. Zum Glück besuche ich jetzt einige davon.

Von anderen Freunden oder fellows der Gemeinschaft habe ich interessanterweise Ähnliches gehört: viele kannten nur die in Deutschland üblichen Meetings, die teilweise als Befindlichkeitsmeetings bezeichnet werden. Die 12 Schritte mit einem Sponsor zu bearbeiten spielen leider selten eine Rolle. Kein Wunder, wenn auch nach Jahren der Trockenheit bei vielen die Erkenntnis einsetzt, daß das Wesentliche fehlt!

Seit dem 12.08.2021 habe ich jetzt das Glück mit einem Sponsor zu arbeiten. Wichtig war mich auch, daß es keine vorherige persönliche Verbindung gibt, also daß man sich nicht schon lange von den üblichen Meetings kennt. Ich wollte komplette Neutralität und nicht eine „Vorbelastung“ durch eine bestehende Freundschaft.

Inzwischen habe ich eine vierwöchige Vorbereitungsphase hinter mir und fange jetzt mit dem ersten Schritt an. Die Reise ist spannend!

Ich habe auch mit einigen alten und neuen Freunden über deren Erfahrung bzgl. des Programms gesprochen. Nicht einer war davon enttäuscht, alle haben betont wie viel die Schrittearbeit ihnen gebracht hat. Das hat mir nicht nur Hoffnung gegeben, sondern mein Interesse an Meetings ist wiedererwacht – aber diesmal an richtigen Schritte-Meetings, keinen Befindlichkeits-Meetings!

Trockenrausch, Anti-Depressiva und Genesung


Ich habe vor einigen Monaten, ich glaube es war der Juli 2020, mein Anti-Depressivum Venlafaxin abgesetzt. Ich wollte unbedingt wegen der Nebenwirkungen davon wegkommen, nachdem ich es viele Jahre genommen hatte. Die Nebenwirkungen waren Tagesmüdigkeit sowie Knochenabbau im Oberkiefer.
Es hat gut funktioniert, ich habe keine Depressionen bekommen. Allerdings habe ich mehrere Male in den letzten Monaten einen Trockenrausch bekommen. Dieser zeichnet sich durch ein Gedankenkarussel ab, welches zu extrem heftigen Emotionen (auch Gefühlssturz genannt) führt. Ich hatte sogar oft eine sehr heftige Wut im Bauch.
Ich war jedesmal vom Trockenrausch überrascht, welcher mich dermaßen übermannte, daß ich danach richtig ausgelaugt war.

Meine Theorie ist, daß das Venlafaxin, ähnlich dem Alkohol, einiges in mir gedeckelt hat. Damit meine ich, daß Dinge wie alte innere Konflikte in mir hochkamen, die nicht verarbeitet wurden. Jetzt, wo das Venlafaxin nichts mehr unterdrücken kann, kommt vieles in mir hoch was noch verarbeitet werden muß und zum Trockenrausch führt.
Mein Psychiater hatte aber ein tolles Beispiel: Ich bin, wie auf einer Spirale, wieder auf der gleichen Stelle, allerdings eine Stufe höher.
Ich halte das für zutreffend, vielleicht geht Genesung nicht immer linear nach oben, sondern es kommen auch tiefe Täler.
Und was anderes viele mir da ein, als der Begriff „Die dunkle Nacht der Seele“ des Johannes vom Kreuz?
Ich bin dankbar auf dem Weg der Genesung zu sein und die Anonymen Alkoholiker als Lebensschule zu haben…

Emotionale Nüchternheit


Fr. Richard Rohr hält eine – wie immer – tolle Rede zum Thema Emotionale Nüchternheit. Der Franziskanermönch ist bestens mit den 12 Schritten der Anonymen Alkoholiker vertraut. Ich persönlich verstehe unter Emotionaler Nüchternheit genau das Gegenteil vom Trockenrausch.