Wieder Depressionen


Mir scheint, als würde mir mein Trockenrausch von letzter Woche noch in Gliedern stecken.
Das Wochenende über habe ich mich nicht gut gefühlt. Und heute Morgen habe ich dann relativ starke Depressionen gehabt, welche dann auch bis jetzt angehalten haben. Zusätzlich zu meinen 75 mg Venlafaxin habe ich dann noch 20 mg Citalopram eingenommen. Ob es geholfen hat, weiß ich nicht. Es geht aber jetzt etwas besser.

Ich habe mich dann um 14.00 Uhr einfach ins Bett gelegt und gedöst. Dabei habe ich auch etwas gebetet und versucht, dankbar zu sein.

Ich habe ja schon lange keine Depressionen mehr gehabt, die so wirklich schlimm waren. Tagsüber habe ich dann auch die typischen Gedankenschleifen gehabt. Im Grunde habe ich gedanklich andere Leute kritisiert, nieder gemacht etc.

Wie es im Blauen Buch der Anonymen Alkoholiker steht, ist Groll die größte Gefahr für mich. Ich hoffe daß ich nicht einen Rückfall baue. Ich bin froh, gleich zu meinem A.A.-Treffen zu gehen.

"Geoutet" als Anonymer Alkoholiker


Am Freitag habe ich zum ersten Mal in diesem Jahr meinen alten Freund Manfred wieder getroffen.
Wir waren zusammen Mittagessen. Neben der üblichen Konversation habe ich auch erwähnt, daß ich zu den Anonymen Alkoholikern gehe. Ich habe von ihm dafür ein Lob bekommen, er fand es toll daß ich das mache.

Das war das erste Mal, daß ich jemandem außerhalb meiner Familie mitgeteilt habe, daß ich zu den Anonymen Alkoholikern gehe.

Heftiger Trockenrausch


Gestern hatte ich einen Trockenrausch, welcher ziemlich heftig ausgefallen ist.

Angefangen hat dies mit einer unscheinbaren Bemerkung in einer geschäftlichen E-Mail. Diese habe ich dem Absender sehr krumm genommen, obwohl die Bemerkung objektiv gesehen relativ harmlos war.

Der Kontext war der, daß das Vorgehen meines Kollegen mir viel Arbeit bereitet hätte, und ich sagte, es gäbe schon genug zu tun. Mein Kollege hat objektiv einen guten Vorschlag gemacht.
Ich schrieb zurück, mehr Arbeit bedeutet für mich irgendwann nur noch reaktives Handeln. Er schrieb zurück, reaktives Handeln sei normal, Chaos ist nur ein Thema der Planung. Das habe ich sofort auf mich bezogen und als mangelnden Respekt vor meiner Arbeit und mir selber gesehen. Was also unter (vermeintlicher) Attacke war, war mein Selbstwertgefühl. Meine Arbeit wurde nicht mal kritisiert, es war ja eine allgemeingültige Aussage.

Ich geriet darauf hin in einen emotionalen Ausnahmezustand. Ich fuhr einen extremen, mentalen Film und reagierte mit destruktiven Emotionen. Was Abläuft, ist letzten Endes Gewalt; ich reagiere mit Selbstmordgedanken bzw. Mordfantasien. Also völlig unangemessen – und gestört.

Natürlich habe ich mich schlecht dabei gefühlt und auch meine Machtlosigkeit gegenüber diesem inneren Zustand gespürt. Ich habe mich daraufhin, nachdem der Zustand ca. zwei Stunden andauerte, in mein Auto gesetzt. Ich versuchte mich zu beruhigen und habe zu meiner Höheren Macht gebetet, sie möchte mich von diesem Albtraum erlösen.

Letzlich habe ich mich dann immer mehr beruhigt und bin dann abends zu meinem Treffen der Anonymen Alkoholiker gegangen und das Erlebnis thematisiert. Dort kannten meine A.A.-Freunde das Problem ja, welches bei den Anonymen Alkoholikern als Trockenrausch bezeichnet wird.

Ich habe geteilt und nach dem Meeting noch mit meinem Sponsor gesprochen. Der hat mir eine andere Perspektive aufgezeigt, wofür ich dankbar bin. Es wäre ein zeichen, daß es mit meiner Genesung voran ginge.

Witzigerweise habe vorher zwei Telefonat mit einer Person geführt, die mich beide Male als Idioten bezeichnete. Das hat mir nicht das geringste ausgemacht, ich bin ruhig und sachlich geblieben (und emotional nüchtern).

Obwohl ich fast sechs Monate trocken bin, leide ich als Alkoholiker immernoch unter einem gestörten Denken und Fühlen. Es ist letztlich Selbstsucht, Narzissmus, Egoismus der im Trockenrausch bei mir zum Tragen kommt.

Zum Glück habe ich nicht zur Flasche gegriffen.

Froh bin ich ausserdem, das meine (harmlose) Antwort, die ich per E-Mail schickte, aufgrund eines Tippfehlers nich ankam.

Die Lehre: Im Trockenrausch besser die Füße stillhalten. Und nicht trinken.