Aufenthalt im Kloster Nonnenwerth


Kloster Nonnenwerth
Kloster Nonnenwerth

Schon seit einem Jahr habe mich darauf gefreut: ein Wochenende im Kloster Nonnenwerth mit meinen Freunden von den Anonymen Alkoholikern bzw. Narcotics Anonymous zu verbringen. Am letzten Wochenende sollte es soweit sein und dieses Wochenende sollte der Inventur gewidmet werden, dem 4. und 5. Schritt der 12 Schritte.

 

Freitag – Der erste Tag im Kloster Nonnenwerth
Das Kloster Nonnenwerth ist ein Kloster der Franziskanerinnen und wir sind zu insgesamt acht Leuten hin gefahren. Organisiert wurde das Ganze von unserem AA/NA-Freund Thorsten, der schon einige Male dort war und Inventur-Wochenenden verbracht hat. Wir kamen um ca. 15.00 Uhr dort an, nachdem wir erstmal mit der Fähre auf die Insel, welche mitten im Rhein liegt, übergesetzt sind. Die riesige Anlage, der Park und das gigantische Gebäude, hat mich sofort beeindruckt. Unglaublich grün ist die Insel und der Ort strahlt schon eine große Ruhe aus. Ich wollte ja schon seit vielen Jahren mal einen solchen Klosteraufenthalt genießen – mit oder ohne AA – und nun war endlich die Zeit gekommen!

Auf der Fahrt allerdings habe ich gemerkt, wie sehr mein Geist raste und ruhelos war. Dazu kam eine gewisse Erschöpfung, so daß ich nicht angenehm müde sondern aufgekratzt war. Meine Arbeitswoche, so wie fast immer, war anstrengend und stressig gewesen. Noch dazu habe ich mir nicht das nötige Maß an Erholung und Ruhe gegönnt. Dies machte sich jetzt bemerkbar und sollten noch bis zum nächsten Morgen anhalten.

Kloster Nonnenwerth

Nachdem wir von der Fähre zum Haupteingang gelaufen waren, mußten wir erstmal einchecken. Die nette Dame am Empfang gab jedem von uns einen Schlüssel. Wir hatten alle Einzelzimmer, die wirklich gemütlich waren. Hoch ging es zur Gästeetage und wir brachten unsere Sachen auf die Zimmer. Danach gingen wir zu dem Seminarraum, den wir bereit für unsere Meetings machten. Stühle wurden im Kreis aufgestellt, Literatur wurde ausgelegt und Thorsten hatte extra noch Klangschalen mitgebracht.

Dann führte Thorsten uns durch das Gebäude und zeigte uns einige der Räume des Klosters. Ich verlor schnell die Orientierung, einmal wegen der schieren Größe des Gebäudes aber auch wegen der vielen Eindrücke, die auf mich niederprasselten. Wir fanden den Weg nach draußen und drehten erstmal eine Runde durch den großen Park.

Dann war es auch schon 18.00 Uhr und damit Zeit für das Abendessen. Der Saal gehörte uns alleine und das Buffet war schon angerichtet. Nach dem wir gemeinsam gegessen hatten, gab es ein Meeting im Wohnzimmer der Gästeetage. Den hergerichteten Seminarraum konnten wir allerdings nicht benutzen, da die Zimmer der Nonnen angrenzten und die Schwestern schon um 20.00 Uhr zu Bett gingen. Dafür war das Wohnzimmer gemütlicher und erinnerte mich ein wenig an die Atmosphäre der alpinen Berghütten. Nach dem Meeting, welches ca. 2 Stunden dauerte und damit Überlänge hatte, gingen wir langsam zu Bett bzw. machten vorher noch einen Abendspaziergang.

 

Kloster Nonnenwerth

Ich wollte noch lesen aber nach einem Absatz meines C.G. Jung Buches fielen mir schon die Augen zu. Der Tag sollte für mich zuende sein.

Samstag – Der zweite Tag im Kloster Nonnenwerth

Am nächsten Morgen (Samstag) wachte ich um ca. 7.20 Uhr auf und damit vor dem Klingeln meines Weckers. Mir viel sofort auf, wie sehr mein Geist raste. Ich war wirklich durcheinander und brauchte Erholung, ADHS und Arbeitsstress ließen grüßen…

Der gesamte Tag sollte schweigend verbracht werden, ausgenommen dem kurzen Orga-Meeting, welches der Koordination des Aufenthalts diente.

Der Rhein

Um 7.40 Uhr hat unser Freund Thomas eine ca. 20-minütige Tai Chi Übung mit uns abgehalten. Die Anweisung gab Thomas schweigend mittels Gesten, was aber kein Problem war. Tai Chi für Anfänger, das tat mir gut und ich empfand es als eine tolle Möglichkeit um in den Tag zu starten. Mein übliches Morgenritual besteht leider aus Smartphone benutzen, Zigaretten und Kaffee. Dies hier war mal was anderes.

Danach gab es Frühstück und ein kurzes Orga-Meeting, um den weiteren Ablauf zu besprechen. Anschließend gab es erstmal Zeit für sich selbst bzw. für den 4. Schritt der 12 Schritte, welcher eine „furchtlose und ehrliche Inventur“ ist. Ich lag mich aber erstmal ins Bett da meine Erschöpfung noch sehr spürbar trotz des guten Schlafes der Nacht war.

Blick in den Hof

Ein schlechtes Gewissen hatte ich nicht und gönnte mir die Ruhe gerne. Hatte ich doch in den vergangenen Wochen schon an meiner Inventur gearbeitet und mir Klarheit verschafft.
Es blieb für mich nur ein bestimmter Fokus, welcher sich letztlich auf die „Todsünde“ Faulheit bzw Procrastination („Aufschieberitis“) bezieht. Dafür wollte ich nicht schreiben sondern einfach in den Meetings teilen. Introspektion betrieb ich natürlich trotzdem, wie es ja auch sowieso meinem Naturell entspricht.

Der Tag nahm seinen weiteren Lauf mit Mittagessen, Kaffee, Abendessen. Danach gab es noch ein Meeting wodurch das Schweigen beendet wurde. Um 22.30 ging ich ins Bett und lauschte der Live-Musik vom Ufer. Es war die Veranstaltung Rhein in Flammen. Zum Lesen war ich wieder zu müde und ließ den Tag hinter mir.

Sonntag, der 3. Tag im Kloster Nonnenwerth

Einer der hübschen Räume

Heute war Tag der Abreise, welche bereits am Nachmittag erfolgen sollte. Aber wir hatten ja noch Zeit, die wir gut ausnutzen wollten. Morgens vor dem Frühstück zeigte und Thorsten das sog. Tönen. Ich kannte etwas Ähnliches (so wie die Klangschalen auch) nur aus dem „tibetischen“ Buddhismus (Vajrayana). Es ging darum die Wörter Ohmmm, Amen, Shalom oder Salem tief aus dem Körper zu intonieren und den eigenen Körper als Resonanzkörper zu benutzen. Es war etwas neues für mich und die Übung machte Spaß.

Wir gönnten uns nach dem Tönen und dem darauf folgenden Frühstück noch ein Meeting.
Wieder gab es Zeit zur Inventur und dem 5. Schritt. Anschließend feierten wir einen eigenen Gottesdienst der sehr schön da recht improvisiert war. Und er hatte dadurch unsere eigene Note bekommen.

 

Gedanken zum Aufenthalt

Der Aufenthalt war lohnenswert da ich ich eine kleine aber tolle Auszeit für ein Wochenende nehmen konnte. In den Wochen zuvor war die zweite Häfte des 1. Schrittes ein Thema für mich. Diese lautet das Leben nicht meistern können. Ich bin sicher ein Mensch der höhe bis übertriebene Ansprüche an sich selbst hat und daher nicht immer mit sich im Reinen ist, auch wenn ich viel inneren Frieden darunter habe. Ich habe gemerkt, daß ich im Job nicht immer das Ergebnis liefere, das ich möchte und zu dem ich mich verpflichtet fühle. Oft kommt der Gedanke „egal, ein anderes Mal“ oder so ähnlich. Dadurch mache ich oft Dinge nicht korrekt bzw konsequent bis zum Ende. Das kommt wie ein Bumerang wieder auf mich zurück und ich leide darunter.

Der Seminarraum für die Meetings

Diese innere Stimme ist dieselbe die mich auch zum Trinken verführte. Das ist zwar seit bald zwei Jahren nicht mehr der Fall aber ich meine diese Stimme führt weiterhin zu Selbstsabotage. Ich bete zu Gott, mir die Kraft zu geben meine Arbeit gewissenhaft und korrekt zu erledigen. Darum geht es mir, trocken bleiben und zu arbeiten. „Holz hacken und Wasser schleppen“, wie es im Zen-Buddhismus heißt. Das wünsche ich mir. Durch die Bitte um Hilfe wird es dann auch sehr viel besser, die Erfahrung mache ich dann regelmäßig.

Der Altar

Ausserdem muß ich besser für mich sorgen. Früh ins Bett ohne meine Internet-/Mediensucht auszuleben. Besser aus dem Bett kommen, vernünftig frühstücken, morgendliche Bewegung, meditieren. Aus dem Aufenthalt im Kloster habe ich dies auch mitgenommen. Jetzt ist Freitag und ich bin jeden Abend zwischen 22.00 und 23.00 Uhr ins Bett, früh aufgestanden, Gymnastik gemacht (die Tai Chi Übungen waren zu komplex um sie mir zu merken), gefrühstückt… ich hoffe ich kann dies beibehalten.

 

Danksagung

Mein Dank gilt der Verwaltung des Klosters Nonnenwerth sowie den Franziskanerinnen (mit denen wir leider kaum Interaktion hatten). Sowie natürlich auch sämtlichen guten Klostergeistern: vom Fährmann über das Küchenpersonal bis zur Reinigungskraft. Für die tolle Gemeinschaft danke ich Andrea, X, Heiko, Frank, Oliver, Thomas und Thorsten.
Meiner höheren Macht gilt sowieso immer Dank.

Bis nächstes Jahr im Kloster Nonnenwerth!

 

Fr. Richard Rohr über die 12 Schritte


Der Franziskaner Father Richard Rohr gehört definitiv zu den zu Recht bekannten Namen was christliche Spiritualität anbelangt. Und ihm sind die 12 Schritte der Anonymen Alkoholikern und das Thema Sucht ebenfalls bekannt.

Deshalb hier ein Video von Richard Rohr.

 

 

Esssucht und Trockenrausch?


anger-794697_1280
(c) https://pixabay.com/de/users/geralt-9301/

Ich habe eine esssüchtige Kollegin gehabt. Zumindest vermute ich daß sie esssüchtig ist, wenn ich bedenke, daß sie stark fettleibig ist. Esssucht ist natürlich wie Alkoholsucht auch eine Sucht. Die Hintergründe sind dieselben wenn auch die Ausformung eine andere ist. Der eine säuft, die andere frißt.
Jedenfalls habe ich mich von dieser Kollegin trennen müssen. Darauf hin hat sich das ursprünglich gute Verhältnis massiv geändert. Das jemand nach einer Kündigung nicht unbedingt gut auf den Arbeitgeber zu sprechen ist, kann ich nachvollziehen.
Weiterlesen „Esssucht und Trockenrausch?“