Gabor Maté: Trauma als Ursache?


Der von mir geschätzte Gabor Maté ist der Meinung, daß die Ursache von Sucht in erlittenem Trauma liegt. Ich bezweifle das! Sicher gibt es bei den Anonymen Alkoholikern Personen, die furchtbares durchlitten haben und auf das Trauma mit Alkohol reagieren. Die Logik ist verständlich, greift aber da nicht als Erklärung, wo Alkoholiker nicht traumatisiert sind.

Ausserdem ist ja auch die Frage, warum nicht jeder, der traumatisiert ist, auf das Trauma mit Alkohol oder anderen Substanzen reagiert. Es gibt also noch andere Faktoren, die die Reaktionen auf Trauma hervorrufen. Diese Reaktion kann Sucht sein oder eine konstruktive Reaktion.

Ich für meinen Teil kann sagen, daß ich nicht traumatisiert bin. Zumindest nicht über das übliche Trauma hinausgehend, welches man durch das Leben nunmal abbekommt. Trotzdem bin ich Alkoholiker!

Gabor Matés Definition von Sucht entspricht auch nicht meiner. Maté sagt, daß er an Sucht litt, CDs mit klassischer Musik kaufen zu müssen. Das ist vielleicht zwanghaft, es ist aber nicht absolute Selbstzerstörung wie Alkoholismus. Diese „Sucht“ hat nichts mit dem 1. Schritt der Anonymen Alkoholiker zu tun, der davon spricht, das Leben nicht mehr meistern zu können. Nichts von Matés „Sucht“ kommt dem Horror des nassen Alkoholismus gleich.

Trauma schaffe ich mir aber selbst in meinem Kopf. Als Alkoholiker kann ich wunderbar an uralte, unschöne Vorkommnisse denken. Gerade in dieser Woche merke ich, wie das Kopfkino mich fest im Griff hat. Es läuft ein Horrorfilm nach dem anderen ab. Das ist trockener Alkoholismus.