7. Trockengeburtstag


Am gestrigen Tag, den 13.06.2022, hatte ich meinen siebten Trockengeburtstag.
Ich bin froh, die letzten Jahre ohne Rückfälle erlebt haben zu dürfen. Meine Trockenheit bedeutet mir alles, ist sie doch die Basis für ein gutes Leben.

Meine Höhere Macht, zu der ich durch die Anonymen Alkoholiker gekommen bin, ist in den Jahren immer bedeutsamer geworden.

Seit Anfang des Jahres 2022 habe ich einen formalen Durchlauf durch die 12 Schritte mit meinem Sponsor absolviert. Diese Schrittearbeit hat mich verändert. Es geht mir besser, auch wenn ich oft schlechte Tage habe, in denen die Krankheit (trockener) Alkoholismus mich treibt. Ruhelos, reizbar und unzufrieden bin ich dann, so wie es Dr. William D. Silkworth im Kapitel „Aus der Sicht des Arztes“ beschreibt.

Aber es ist besser geworden – viel besser!

Matt Talbot und meine persönlichen Veränderungen


Vor zwei Tagen war der Todestag des Alkoholikers Matt Talbot, der von manchen Alkoholikern als ihr Schutzpatron angesehen wird.

Ich wollte daher in die Kirche gehen, um für ihn zu beten und eine Kerze anzuzünden (ich war bei vier Kirchen, alle waren abgeschlossen). Dabei ist mir eine Veränderung an mir selbst aufgefallen, und im Kern geht es ja bei den Anonymen Alkoholikern um eine Wesensänderung.

Früher wollte ich nie in Kirchen gehen. Dann ging ich in Kirchen, um sie zu besichtigen. Als nächstes dachte ich mir, daß wenn ich schon da bin, ich ja gleich auch beten könnte. Diese Mal war es das erste Mal, daß ich gezielt in eine Kirche zum Beten wollte.

Ich sehe hier so ganz klar eine Veränderung an mir. Ich habe das mit meinem Sponsor geteilt, der darauf erwiderte, daß wäre der zweite und dritte Schritt. Ich hatte das aber gar nicht bemerkt, natürlich hatte er recht.

Ich bin sehr froh zu sehen, daß die Schrittearbeit wirkt!

Die Einsamkeit des Alkoholikers und soziale Kontakte neu erlernen


Vermutlich kennt jeder Alkoholiker die Einsamkeit, die mit der Isolation durch den Alkoholismus einhergeht. Ich war schrecklich einsam in meiner zwanzigjährigen Saufzeit. Auch das steht im Blauen Buch und ist also auch den Altvorderen bei den anonymen Alkoholikern bekannt gewesen, z.B. direkt im 1. Kapitel („Bills Geschichte“). Ein typischer Aspekt des Krankheitsverlaufes also. Natürlich führt Einsamkeit zu Depressionen und Ängsten, das wiederum zum Alkohol… So läuft die Abwärtsspirale des Zugrundegehens.

Mir ist immer an mir selbst aufgefallen, daß ich miserabel darin bin (auch noch seit Beginn meiner Trockenzeit), Freundschaften zu pflegen und Kontakte zu halten. Alte Kontakte sind einfach verkümmert und teilweise haben sich ja auch Menschen von mir abgewandt, als sie merkten, daß etwas mit mir nicht stimmt.

Ich habe mir für das Jahr 2021 vorgenomen, daß ich darin besser werde, bestehende Beziehungen zu pflegen und alte Beziehungen und Kontakte wieder zu reaktivieren. Dazu gehört, daß ich Menschen zum Geburtstag gratuliere, selbst wenn es nur über Social-Media ist. Oder Menschen einfach nur mal so anzurufen. Menschen einfach mal besuchen oder sich mit ihnen zu verabreden. Alles Selbstverstandlichkeiten für Nichtalkoholiker!

Alkoholismus führt ja zu einer Verkümmerung des Ichs. Ausserdem bleibt der Alkoholiker in seiner persönlichen Entwicklung stehen, oftmals irgendwo in dem Alter, in dem das Saufen anfing. Die emotionale Entwicklung und Reife erreicht nicht das Stadium des Erwachsenen.

Zu meinem Vorsatz für 2021, den ich auch ganz passabel umsetze, kommt auch die Aufgabe meines Sponsors, täglich zwei AA-Freunde anzurufen. Eine Aufgabe die ich wirklich gerne erledige. Auch habe ich durch die Zoom-Meetings einige neue Freunde gewonnen, obwohl ich sie teilweise noch gar nicht persönlich kennengelernt habe. Es macht Spaß und es motiviert mich, die 12 Schritte mit meinem Sponsor zu arbeiten!