Gabor Maté: Trauma als Ursache?


Der von mir geschätzte Gabor Maté ist der Meinung, daß die Ursache von Sucht in erlittenem Trauma liegt. Ich bezweifle das! Sicher gibt es bei den Anonymen Alkoholikern Personen, die furchtbares durchlitten haben und auf das Trauma mit Alkohol reagieren. Die Logik ist verständlich, greift aber da nicht als Erklärung, wo Alkoholiker nicht traumatisiert sind.

Ausserdem ist ja auch die Frage, warum nicht jeder, der traumatisiert ist, auf das Trauma mit Alkohol oder anderen Substanzen reagiert. Es gibt also noch andere Faktoren, die die Reaktionen auf Trauma hervorrufen. Diese Reaktion kann Sucht sein oder eine konstruktive Reaktion.

Ich für meinen Teil kann sagen, daß ich nicht traumatisiert bin. Zumindest nicht über das übliche Trauma hinausgehend, welches man durch das Leben nunmal abbekommt. Trotzdem bin ich Alkoholiker!

Gabor Matés Definition von Sucht entspricht auch nicht meiner. Maté sagt, daß er an Sucht litt, CDs mit klassischer Musik kaufen zu müssen. Das ist vielleicht zwanghaft, es ist aber nicht absolute Selbstzerstörung wie Alkoholismus. Diese „Sucht“ hat nichts mit dem 1. Schritt der Anonymen Alkoholiker zu tun, der davon spricht, das Leben nicht mehr meistern zu können. Nichts von Matés „Sucht“ kommt dem Horror des nassen Alkoholismus gleich.

Trauma schaffe ich mir aber selbst in meinem Kopf. Als Alkoholiker kann ich wunderbar an uralte, unschöne Vorkommnisse denken. Gerade in dieser Woche merke ich, wie das Kopfkino mich fest im Griff hat. Es läuft ein Horrorfilm nach dem anderen ab. Das ist trockener Alkoholismus.

Online Meetings via Zoom


Es gibt sicher zu viele gute Online-Meetingsauf zoom, als daß ich sie alle kennen könnte. Hier aber sind einige, die empfehlenswert sind:

1.) Die Macher von 12schritte.net bieten ein Online-Meeting dreimal die Woche an.

Montag um 20.00 Uhr
Freitag um 19.30 Uhr
Sonntag um 16.00 Uhr

Der Link zu zoom lautet https://zoom.us/j/4479785390
Zoom-Meetings-ID: 447 978 5390
Das Passwort findet man z.B. unter https://docs.google.com/spreadsheets/d/1Jr4YTP_ey0dfMZMfw9BwImbty1hZEPGvPBoki_-wCdc/edit#gid=0 oder

2.) Schritt für Schritt
Montags um 19.00 Uhr
Der Meeting Kenncode lautet 81990874982 bzw. der Link https://us02web.zoom.us/j/81990874982
Das Passwort ist unten auf dem Bild zu sehen.
Gruppe des Signal-Messengers: https://signal.group/#CjQKIN25C9OiHiJDCtyRX5lLD4KOiRyH0wlbEmU7qcQARrYlEhDJTEK3Spj-_crsdKKZp3gb

Die Einsamkeit des Alkoholikers und soziale Kontakte neu erlernen


Vermutlich kennt jeder Alkoholiker die Einsamkeit, die mit der Isolation durch den Alkoholismus einhergeht. Ich war schrecklich einsam in meiner zwanzigjährigen Saufzeit. Auch das steht im Blauen Buch und ist also auch den Altvorderen bei den anonymen Alkoholikern bekannt gewesen, z.B. direkt im 1. Kapitel („Bills Geschichte“). Ein typischer Aspekt des Krankheitsverlaufes also. Natürlich führt Einsamkeit zu Depressionen und Ängsten, das wiederum zum Alkohol… So läuft die Abwärtsspirale des Zugrundegehens.

Mir ist immer an mir selbst aufgefallen, daß ich miserabel darin bin (auch noch seit Beginn meiner Trockenzeit), Freundschaften zu pflegen und Kontakte zu halten. Alte Kontakte sind einfach verkümmert und teilweise haben sich ja auch Menschen von mir abgewandt, als sie merkten, daß etwas mit mir nicht stimmt.

Ich habe mir für das Jahr 2021 vorgenomen, daß ich darin besser werde, bestehende Beziehungen zu pflegen und alte Beziehungen und Kontakte wieder zu reaktivieren. Dazu gehört, daß ich Menschen zum Geburtstag gratuliere, selbst wenn es nur über Social-Media ist. Oder Menschen einfach nur mal so anzurufen. Menschen einfach mal besuchen oder sich mit ihnen zu verabreden. Alles Selbstverstandlichkeiten für Nichtalkoholiker!

Alkoholismus führt ja zu einer Verkümmerung des Ichs. Ausserdem bleibt der Alkoholiker in seiner persönlichen Entwicklung stehen, oftmals irgendwo in dem Alter, in dem das Saufen anfing. Die emotionale Entwicklung und Reife erreicht nicht das Stadium des Erwachsenen.

Zu meinem Vorsatz für 2021, den ich auch ganz passabel umsetze, kommt auch die Aufgabe meines Sponsors, täglich zwei AA-Freunde anzurufen. Eine Aufgabe die ich wirklich gerne erledige. Auch habe ich durch die Zoom-Meetings einige neue Freunde gewonnen, obwohl ich sie teilweise noch gar nicht persönlich kennengelernt habe. Es macht Spaß und es motiviert mich, die 12 Schritte mit meinem Sponsor zu arbeiten!