Die Jellinek-Kurve und ich


Vermutlich ist sie weit bekannt, ich habe sie aber eben erst entdeckt: die Jellinek-Kurve.
Diese Kurve, benannt nach dem Suchtmediziner Jellinek, stellt die Entwicklung der Alkoholkrankheit und die Genesung des Alkoholikers. Schon ein erster Blick auf die Kurve, die ich auf Deutsch nicht gefunden habe, zeigt mir einige Punkte, an denen ich auch war bzw. heute bin.

jellinek
Jellinek Kurve

Auf der linken Seite ist der Abstieg des Alkoholikers dargestellt, auf der rechten Seite die Genesung vom Alkoholismus. Zunächst mal ist es schön, daß ich definitiv ziemlich weit oben auf der rechten Seite der Kurve bin – also auf dem Weg der Genesung.

Dort ist der Punkt contentment in sobriety, also Zufriedenheit in der Abstinenz/Trockenheit vermerkt. Diesen Punkt kann ich definitiv auf mich beziehen. Ich bin grds. ziemlich zufrieden, auch mit meiner Trockenheit. Ich vermisse den Alkohol nicht, auch nicht die Feiern/Parties und was sonst noch früher mit Alkohol spaßig war. Unter dem FOMO Syndrom leide ich also nicht. Das heißt aber nicht, daß ich schon wirklich genesen bin. Aber immer eins nach dem anderen.

Davor war ich aber natürlich auf der linken Seite der Jellinek-Kurve. Ein Punkt, welcher mir ins Auge gesprungen ist, lautet tries geographical escapes. Auf Deutsch versucht geographische Flucht. Das kann ich nur gut bestätigen, bei den Anonymen Alkoholikern spricht man von der geographischen Kur, über die ich auch schon schrieb. Auch das Vermeiden von Freunden und Familie, also soziale Isolation, kenne ich nur zu gut. Und habe das aucch bei anderen schon beobachtet. Ein weiterer Punkt ist das nicht mehr vernüftige Essen, welches auch bei mir vorkam. Ebenso ist mir unsinniger Groll gegenüber anderen bekannt. Ich habe an meinem groll förmlich festgeklebt. Dinge mit denen gesunde Menschen klar kommen, wie z.B. Kränkungen, waren etwas von dem ich nicht loslassen bzw. es gesund verarbeiten konnte. Nasses Denken in einer typischen Form.

Wenn ich so überlege, dann habe ich in den letzten neun Monaten meiner Trockenheit schon viel Fortschritt gemacht (ich darf nicht vergessen: nur für heute). Mein Absturz hat sich über Dekaden hingezogen aber ich habe in neun Monaten viel gelernt, bin zufrieden ohne Alkohol, kann mein Leben meistern. Ich bin gewachsen, auch wenn  ich noch einen weiten Weg zu gehen habe, wie ich an meinen Trockenrauschen sehe.

Ist doch alles ok so…

Danke an die höhere Macht 😉

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Ein Gedanke zu “Die Jellinek-Kurve und ich

  1. Liebender Sven

    Nachdem mein jüngerer Sohn seit gut über einem halben Jahr trocken ist
    Und mir als 17 Jährigen eine 15 jährige Auszubildende unvermittelt
    prophezeite „Du wirst entweder ein Alkoholiker oder ein Heiliger“
    freue ich mich über Deine Heilung in der Kraft jener „Höheren Macht“
    die ja Lieben ist

    Erstaunlich auch das anthropologisch involutionär Alkohol eine Zeit der
    Begleiter der Menschheit sein sollte um das natürliche blutstradierte Hellsehen
    wie manche Ethnien siehe Sinti und Roma es noch heute ausgeprägt kennen hinabzudämmen

    Der ganze Westen ist in der Volkskrankheit Alkohol sinnesorganisch „benebelt“
    um den eigenen und kollektiven SCHMERZKÖRPER nicht spüren zu müssen

    Erst in der Nüchternheit bin ich befähigt meine ererbten und im Lebensgang erworbenen
    Verletzungen zu erinnern anzuerkennen und vergebend wie mir verzeihend zu heilen

    Verdrängung ist eine stark zehrende Unterdrückungsenergie aus dem Wesen der Angst
    Anerkennen was war was ist „Die Ästhetik der Wahrhaftigkeit“
    Unser Freund „Alice Wunder“ hat eine Seite „Meine Drogenpolitik“
    Dort findest Du einen Beitrag „Der Wein der Liebe“…

    dankend für Dein Vertrauen
    Dir Joachim von Herzen
    Du bist gesegnet

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