FOMO – Die Angst, etwas zu verpassen


Ich habe im Blog von Louisa einen interessanten Beitrag gefunden. Es geht um den Begriff FOMO, der für ‚fear of missing out‘ steht. Übersetzt bedeutet dieser Die Angst, etwas zu verpassen.

Ich denke, es ist eine Variante von ’nicht genug bekommen‘, wie es ja typisch für die Sucht ist. Einer meiner Lieblingssprüche der Anonymen Alkoholikern lautet auch ein Bier ist zu viel, aber zehn Bier sind nicht genug. Wie wahr das ist!

Ich kann mich erinnern: Als ich das Gymnasium abgeschlossen hatte, wußte ich nicht, was ich danach anfangen soll. Ich bin zur Bundeswehr gegangen und habe den Grundwehrdienst geleistet. Es war wirklich eine Phase der Orientierungs- und Sinnlosigkeit.

Am Wochenende ging ich in die Disco. Techno war gerade groß und ich stand total auf die Musik. Allerdings auch die Drogen, Ecstasy nahm ich immer in der Disco. Aber eine Pille war nicht genug, ich mußte, wenn die Wirkung nachließ, auf die nervige Suche nach Nachschub gehen (gesoffen habe ich natürlich auch in der Disco). Der Rausch am Wochenende war das, worauf ich mich während der sinnentleerten Woche freute.

Die Party füllte ganz klar eine innere Leere, die ich versuchte, mit Drogen und Alkohol vorübergehend zu füllen. Natürlich funktionierte dies nur für einen kurzen Zeitraum, denn sobald die Party und das Wochenende vorbei waren, trat wieder die innere Leere ein.

Ich erinnere mich noch, daß der Rausch mich nie befriedigte und ich immer auf der Suche nach weiteren Pillen war.Wirklich Spaß hatte ich nie, denn ich hatte immer das Gefühl, daß etwas fehlte.  Ich mußte immer nachlegen, in der Hoffnung irgendwann befriedigt zu sein.Die nächste Pille, so hoffte ich, würde endlich dafür sorgen, daß ich Spaß hatte! Und das trat selten ein, ich habe mich nur ‚weggemacht‘. Der traurige Ersatz für Glück, Befriedigung, Zufriedenheit. Dieser Mangel ist eine wirkliche Krankheit der Seele.

Heute ist mir das alles klar, es war schon damals das Typische an der Sucht, wie es sich bei mir manifestierte: mehr, mehr, mehr… denn es ist nie genug. Das Loch im Innern muß gefüllt werden. Aber natürlich mit den falschen Mitteln.

Louisa schreibt in ihrem Beitrag darüber, wie sie immer von Disco zu Disco gesprungen ist, in der Angst etwas zu verpassen. ‚Hier‘ war nie ok, irgend wo anders würde es viel lustiger sein; die Party extremer, die Leute unterhaltsamer. Natürlich trat auch bei ihr nie Befriedigung ein. Denn so ist Sucht – nichts befriedigt, nie ist es genug.

Das Gleiche gilt natürlich auch für die ’normalen‘ Kneipentouren. In der nächsten Kneipe ist es lustiger, die Frauen hübscher und die Befriedigung wartet nur. Aber nier hier, sondern immer wo anders.

Bis ins Grab.

 

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6 Gedanken zu “FOMO – Die Angst, etwas zu verpassen

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