Paul Hedderman über die 12 Schritte der Anonymen Alkoholiker


Einer meiner lieblings-Spirituellen-Lehrer ist ja Paul Hedderman, ein ehemaliger Anonymer Alkoholiker. Von ihm gibt es eine tolle Serie an Videos auf Youtube, die sich mit den 12 Schritten beschäftigt (auf Englisch).

 

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Anonyme Alkoholiker und Religion


Gemäß der Präambel der Anonymen Alkoholiker sind diese nicht mit einer Religion assoziiert. Schaut man sich die 12 Schritte der A.A. an, dann tauchen aber Worte wie höhere Macht und Gott auf. Das scheint ein Widerspruch zu sein, ist es aber meiner Meinung nach nicht.

Grundsätzlich sind die Anonymen Alkoholiker basisdemokratisch und liberal, so wie ich das erfahre. Es gibt keinen Zwang, an etwas zu glauben oder etwas zu tun.

Die 12 Schritte sind eine Empfehlung, mehr nicht. Ob diese 12 Schritte absolviert werden, wird jedem A.A-Freund selber überlassen. Ich persönlich beschäftige mich mit ihnen, da ich sie für wichtig halte. Tatsächlich gibt es aber A.A.-Freunde, die Jahrzehnte trocken sind ohne die 12 Schritte zu tätigen. Es muß, wie gesagt, jeder selber wissen!

Bei den Anonymen Alkoholikern gibt es daher Christen, Atheisten, Agnostiker, solche die sich unklar sind etc… Die einzige Voraussetzung, laut Präambel, „ist der Wunsch mit dem Trinken aufzuhören“.

Die höhere Macht muß daher nicht der Gott im christlichen Sinn sein. Jeder kann sich darunter vorstellen, was er will. Das kann eine nicht näher definierte, höhere Macht sein, oder auch die Gruppe bzw. das Gruppengewissen. Jeder wie er will.

Neulich hat ein A.A.-Freund eine gute Aussage getroffen: „Religion ist für die, die vor der Hölle Angst haben; Spiritualität ist für die, die schon in der Hölle waren“. Meiner Meinung nach haben die Anonymen Alkoholiker nichts mit Religion zu tun,
aber sehr viel mit Spiritualität. Ich denke, daß die 12 Schritte nicht ohne höhere Macht funktionieren (aber ich kann mich irren).

Demjenigen, der zum ersten Mal bei den Anonymen Alkoholikern ist, kann ich nur dazu raten, sich von den religiösen Begriffen nicht abschrecken zu lassen. Die Einstellungen zu Religion sind unterschiedlich und werden alle toleriert. Manche
A.A.-Freunde sind Atheisten, andere nicht. Manche haben einen spirituellen Kern, andere halt nicht.

Hauptsache man wird trocken!

Rückfälle und freier Wille


Die letzten Wochen gab es in meiner Gruppe der Anonymen Alkoholiker zwei Rückfälle.

Was mir in Erinnerung geblieben ist, ist daß beide A.A.-Freunde sagten, daß sie trinken wollten. Beide erzählten, daß sie die bewußte Entscheidung getroffen haben, Alkohol zu trinken und dies dann getan haben.

Ich weiß, daß ich dem Alkohol gegenüber machtlos bin, so wie es im ersten Schritt der Anonymen Alkoholiker geschrieben steht. Zum Einen wollte ich damals trinken, zum Anderen hatte ich aber den Wunsch (nicht den Willen) aufzuhören.

Alkoholismus ist wie ein Parasit (die Analogie habe ich von Paul Hedderman). Ein Parasit befällt den Wirt (also den Alkoholiker) und beeinflußt seinen Willen. Alkoholismus hat keine Arme, die zur Flasche greifen. Alkoholismus hat auch keinen Mund, in den der Alkohol gegossen wird. Zu beidem ist der Wirt, bzw. dessen Körper, notwendig. Dazu braucht es den Willen zum Supermarkt zu gehen oder zur Tankstelle zu fahren und den Alkohol zu kaufen und zu konsumieren.

Wider besseren Wissens (den Wunsch nicht zu trinken) wird der Wille vom Parasiten Alkoholismus befallen und als Geisel genommen. Der gesunde Wille ist vom Alkohol in Geiselhaft genommen worden und der Wirt wird durch den Parasiten gesteuert.

Der Alkoholiker hat seinen freien Willen verloren, er trifft keine freie Entscheidung mehr. Das resultiert in Machtlosigkeit, der Parasit bestimmt allein.

Ich finde es toll, daß meine A.A.-Freunde den Mut gehabt haben, wieder an die Tische zu kommen und ihre Rückfälle zu teilen. Ich weiß nicht, ob ich das hätte. Denn Alkoholismus hat viel mit Schamgefühl und schlechtem Selbstwertgefühl zu tun.

Meinen A.A.-Freunden wünsche ich, daß sie sich wieder berappeln und dauerhaft trocken bleiben!